Sozialpraktikum  

Anfang März 2016 stand für die JS1 ganz im Zeichen des Sozialpraktikums. In den beiden Wochen vor den Osterferien (7.-18.3.) besuchten die Schüler Praktikumsstellen in der Region, um sich für Mitmenschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen zu engagieren. Die Bandbreite reichte dabei von Einsätzen bei der AWO, im Alten- und Pflegeheim (siehe Bild: Moritz und Julius im "Augustinum") bis hin zur elfköpfigen Gruppe, die es ins ferne Äthiopien verschlagen hatte. – Hier einige Impressionen:


Psychiatrie. Ein von Vorurteilen und gezeichneter Begriff in unsrer heutigen Gesellschaft – ein Tabuthema. Ein Tabuthema, welches uns alle betrifft. Schließlich kann es jeden treffen. So erkranken z.B. jedes Jahr ca. 8000 Menschen an Schizophrenie.

Im Rahmen des Sozialpraktikums arbeitete ich zwei Wochen im Bereich der Arbeits- und Beschäftigungstherapie in der Heidelberger Einrichtung des gemeinnützigen Vereins St. Thomas e.V., welcher chronisch psychisch Kranken die Möglichkeit zum betreuten Wohnen und diversen Therapieangeboten bietet.

Der Verein betreibt Einrichtungen in Graben-Neudorf, Schwetzingen, Heidelberg sowie diverse Außenwohngruppen. Die meisten Bewohner sind an Schizophrenie erkrankt, d.h. sie haben den Bezug zur Realität verloren und die Grenze zwischen „Ich“ und „Andere“ verschwimmt. In den meisten Fällen hören die Erkrankten Stimmen, die jedoch nur sie wahrnehmen und durch welche sie gesteuert und beeinflusst werden. Das alltägliche Leben wird durch die Krankheit beeinträchtigt und erschwert.

Durch die Therapieangebote möchte man den Bewohnern eine Struktur zurückgeben und ihnen das Leben mit der Krankheit erleichtern, denn heilbar ist hier keiner. In der Arbeitstherapie (AT)  werden Aufträge für die Firmen Lamy und ProMinent erledigt. Es werden Tüten geschweißt, beklebt und befüllt oder Kugelschreiber und Bleistifte zusammengebaut. Die Beschäftigungstherapie (BT) hingegen bietet die Möglichkeit sich kreativ auszuleben. Viele malen hier, ob selbst entworfene Werke oder Ausmalbilder ist egal. Außerdem wird hier einmal in der Woche gemeinsam gebacken und gekocht und für die Senioren in der Einrichtung gibt es drei Mal in der Woche nachmittags die Seniorengruppe. Neben den Therapiebereichen in der Einrichtung selbst, besteht die Möglichkeit zur Arbeit auf dem Hammberger Hof, einer Reitanlage mit Restaurantbetrieb bei Ittlingen, welcher auch zum Verein gehört. Dort ist alles nochmal ganz anders, denn man ist freier und in einer ganz anderen Umgebung.

Während des Praktikums durfte ich alle eben genannten Bereiche kennenlernen. Den richtigen Umgang mit den Bewohnern lernt man schnell, denn auch sie sind letztlich nur Menschen. Man stößt hin und wieder natürlich an Grenzen, aber die Arbeit macht Spaß und die Zeit vergeht wie im Flug. Die Tätigkeiten bestehen ganz allgemein daraus, die Leute in der AT und BT zu betreuen. Häufig sitzt man einfach zusammen und unterhält sich, während man z.B. Tüten befüllt. Ich erlebe alle als sehr offen und freundlich, vielen kann man gar nicht anmerken, dass sie krank sind. Hier ist es normal, wenn jemand wirre Dinge in den Raum wirft oder von seinen Stimmen erzählt. Alles wird mit Humor genommen in der kleinen Welt von St. Thomas.

Setzt man sich intensiv mit der Thematik Psychiatrie auseinander, findet man allerdings auch Seiten von denen man berührt wird. Die Bewohner fristen ihr Dasein dort. Keiner schenkt ihnen Liebe. In der „normalen“ Welt nimmt man Abstand von ihnen. Jede kleine Aufmerksamkeit, die man jemandem dort schenkt, wird mit Freude belohnt.

Wir sind Menschen und so auch die Bewohner einer Psychiatrie. Man sollte ihnen offen begegnen, wie jedem anderen auch. Ich durfte ganz wundervolle Menschen kennenlernen und für zwei Wochen mit ihnen arbeiten. Sie nahmen mich mit in ihre Welt und ihr Leben und dafür bin ich ihnen dankbar. Mir wurden viele Geschichten erzählt, Bilder gezeigt und die Möglichkeit neue Eindrücke zu sammeln gegeben. Wir haben so viel zusammen gelacht, dass der Abschied widererwartend schwer fiel. St. Thomas ist eine tolle Einrichtung und als Praktikumsstelle nur zu empfehlen – eine ganz eigene kleine Welt mit ihren Besonderheiten, die es lohnt kennenzulernen.

 

Caro Bach