Lehrerfortbildung  

Lehrer für Lehrer

Ehrenamtliches Engagement deutscher Lehrer in Äthiopien – Fortbildung für äthiopische Kollegen

Die Initiative „Lehrer für Lehrer“ bringt das Know-How deutscher Schulen nach Äthiopien. Um Bildungsnachteile schon auf Schulebene abzubauen, reisen deutsche Lehrer in ihren Ferien an äthiopische Schulen und bilden die dortigen Lehrer in Methodik und Didaktik fort.


Äthiopische Lehrer lernen das Durchführen und Präsentieren naturwissenschaftlicher Experimente.

Für uns selbstverständliche Methoden wie schülerzentrierter Unterricht oder experimentelle Unterrichtseinheiten in Naturwissenschaften sind dort weitgehend unbekannt. Die unzureichende Ausbildung der Lehrkräfte und die damit mangelhafte Qualität der Schulen stellt ein großes Hindernis für die zukünftige Entwicklung Äthiopiens dar. Mit dem Wissen deutscher Kollegen können viele Defizite leicht behoben werden. Deswegen initiierte Norbert Klevenz, damaliger Schulleiter des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Sandhausen, vor drei Jahren das Projekt „Lehrer für Lehrer“.


Naturwissenschaftliche "Ausstattung" der Schulen vor der Fortbildung. Es fehlt Wesentliches, so dass aller Unterricht nur theoretisch ablaufen kann.

Die erste Fortbildung an der German Church School (GCS) in Addis Abeba, einer Schule für die „Ärmsten der Armen“, legte Grundlagen in Englisch und Methodik. Bei der Fortbildung im Frühjahr 2008 lag der Fokus auf den Naturwissenschaften Physik und Chemie, die dort ohne die für uns selbstverständliche Laborausstattung unterrichtet werden müssen. Obwohl die GCS im Vergleich zu anderen äthiopischen Schulen dank deutscher Hilfsgelder noch relativ gut ausgestattet ist, besteht dort z.B. die gesamte Chemiesammlung aus einem einzigen Schrank. Andere Schulen, aus denen Lehrer an der Fortbildung teilnahmen, verfügen über noch weniger. Die deutschen Lehrer planten deswegen einfache Experimente, die mit Papier, Flaschen und Alltagschemikalien auskamen. Durch Experimente mit Spritzen konnte auf kostspielige chemische Glasgeräte und große Chemikalienmengen verzichtet werden.

Zwei Jahre später, 2009/10, konnte die Fortbildung für Physik und Chemie für Lehrer aus 10 Schulen in Addis Abeba fortgesetzt werden.

Der Schwerpunkt der Fortbildungen lag darauf, die teilnehmenden Schulen mit den nötigen Laborgeräten auszustatten. Mit Spenden konnten 2000€ gesammelt werden, die nun in physikalische Geräte, Chemikalien und Glasgeräte investiert werden konnten. Dass solche Anschaffungen in Addis Abeba nicht so leicht zu realisieren sind, kann jeder unserer Schüler nachvollziehen, der im Rahmen des Schülersozialprojektes schon die Gelegenheit hatte nach Äthiopien zu fliegen. Allein die Suche nach der Gasflasche für einen Bunsenbrenner dauerte einen ganzen Tag, weil man nur leere Gasflaschen füllen lassen, aber keine neuen kaufen kann. Das Pfandsystem steckt dort leider noch in den Anfängen. Aber: Chegger yellem – mit genügend Geduld ist alles kein Problem!


Übergabe der gespendeten Laborgeräte im Rahmen der Lehrerfortbildung.

Doch für die beteiligten Schulen ist nicht nur die Ausstattung des Laboratoriums hinderlich, sondern auch die entsprechende praktische Ausbildung fehlt. Während der Fortbildung lernten deswegen die 18 teilnehmenden Lehrer mit ihrer Grundausstattung Experimente durchzuführen, die für unsere Schüler alle altbekannt sind wie die Reaktion von Zink und Schwefel, die Entwicklung von Kohlenstoffdioxid aus Backpulver oder das Prinzip des Archimedes. „My girls will love it.“ meinte Mulualem, Lehrerin an der Nazaret School, einer renommierten Mädchenschule in Addis Abeba. Bisher mussten alle Versuche theoretisch durchdacht werden ohne sie zu sehen. Doch das ist zumindest in 10 Schulen in Addis Abeba nun zu Ende – wie sich 2010 zeigte, als bei einem weiteren Aufenthalt in Äthiopien, den ich als Begleitung des Schülersozialprojektes durchführen konnte, Besuche bei allen beteiligten Schulen abgestattet werden konnten. Bisher leere Räume waren in Physik- und Chemielabors verwandelt, die mit einem feuerfesten Tisch, Wasseranschlüssen und Feuerlöschern zu praktischer Arbeit verwendet werden. In einer Schule zeigten gleich Schüler der 7. und 8. Klasse ihr experimentelles Geschick, das schon weit über die Kenntnisse deutscher Schüler in diesem Alter hinausgeht – und das in einer Schule, die vor noch einem Jahr keinerlei Mittel zur Verfügung hatte.


Umgestaltete naturwissenschaftliche Räume in den Schulen von oben
- jetzt ist praktischer Unterricht möglich.

Das Projekt zeigt, wie schon mit relativ geringen Mitteln viele Veränderungen erreicht werden können. Eine pensionierte Lehrerin, Ursel Stahlmann, lebt in Addis Abeba und wird dieses Projekt mit unserer Unterstützung weiterentwickeln. Über Kontakte zum Department of Chemistry an der University of Addis Abeba und einen der teilnehmenden Lehrer als Multiplikator kann sie vor Ort garantieren, dass die Lehrer auch weiterhin in Kontakt bleiben und sich gegenseitig bei Problemen oder Engpässen in Chemikalien weiterhelfen können oder über die Universität bezuschusst werden.


Frau Stahlmann arbeitet inzwischen daran, solche Cluster von Lehrern auch außerhalb der Hauptstadt, aufbauen und so zu experimentellem Unterricht anregen. Die finanzielle Unterstützung ist inzwischen schon von der Deutschen Botschaft in Addis Abeba und dem Rotary Club zugesagt, so dass weitere Lehrer unserer oder anderer Schulen Gelegenheit haben, ihr Wissen in Äthiopien sinnvoll einzusetzen, um das Projekt „Lehrer für Lehrer“ fest zu etablieren.

Wie die Äthiopier sagen: Chegger yellem – Kein Problem!