Bilder von der Premiere  

Faust - Premierenbilder

Faust - Premierenbilder

Gelungene Premiere der „Faust“-Inszenierung

Die Leidenschaft für Theater war an jeder Stelle spürbar, als die Theater-AG des FEG mit dem Klassiker deutscher Literatur schlechthin aufspielte: Goethes „Faust – der Tragödie Erster Teil“.

Der hohe Anspruch an schulische Theaterarbeit wird bereits in der Wahl des Titels deutlich, die Einlösung dieses Anspruchs zeigte sich sehr dezidiert in der wahrhaft meisterlichen Leistung der jungen Schauspieler aus der Theater-AG des FEG, die unter der Leitung von Ursula Bergerfurth und Gabriele Schmid-Dresel steht und bei dieser Inszenierung von Ellen Pfahlsberger auf das Feinste unterstützt wird.

Alle Register, wie vom Direktor in Goethes „Vorspiel auf dem Theater“ gefordert, werden hier in der Inszenierung am FEG gezogen: Als die Zuschauer in der vollen Aula durch die kraftvolle Inszenierung quasi aus dem engen Bretterhaus hinaus getragen werden in den großen Kreis der Schöpfung mit Himmel und Hölle kommt es immer wieder zu Szenenapplaus.

Da ist zunächst Faust, der, obgleich er Philosophie, Medizin, Jura und Theologie studiert hat, auch im fortgeschrittenen Alter immer noch nicht zu erkennen vermag, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. All den Zweifel an der Enge seiner Existenz als Mensch, der eben gerade nicht Gott ist, dem sein Wissen nicht das bringt, um auch noch die letzten Grenzen zu überschreiten, ringt sich Faust (Corinna Klitzke) in mächtiger Selbstreflexion ab, deutlich wird des Menschen überzogener Anspruch an Alles, genau diese Grenze übertreten zu wollen. Jedoch, Faust, der Mensch, zu schwach, muss sich, um das dann doch zu erreichen, der Magie und schließlich Mephistopheles, dem Teufel, zuwenden.

Absolut stark ist die Stimmführung von Corinna Klitzke, synchron zu ihrer Gestik, die pointiert die Hybris des alternden Faust zum Ausdruck bringt. Ein Moment hier: Faust, am Bühnenrand sitzend, die glitzernde Weltkugel in den Händen haltend, sich spiegelnd und den Spiegel einsaugend, die Welt um sich herum nahezu vergessend. Er nähert sich seinem sehnenden Verlangen.

Wir Menschen kennen das Spiel: Mephistopheles verspricht Faust Jugend und den Einsatz über-menschlicher Kräfte, wenn dieser ihm seiner Seele verkaufe und ihm im Jenseits dienen werde. Und, geradezu selbstverständlich, Faust geht auf dieses Angebot ein, begibt sich auf eine Weltenreise, wie er sie bis dahin nicht gekannt hat, da die Erkenntnis aus Büchern nicht über den Horizont des Wissens um die Welt, was sie denn nun im Innersten zusammenhalte, hat steigen können.

Mephistopheles (Luisa Brokmeier) ist der wahrhaft grandiose Mit- und Gegenspieler von Faust. Nicht nur in der unmittelbaren Konfrontation mit diesem, sondern in jeder einzelnen Szene moduliert Luisa in Sprache, Intonation, Mimik und Gestik den Facettenreichtum des Verführers, des Teufel, den der Mensch so sehr fürchtet und doch immer wieder so sehr herbeizieht.

Faust begibt sich auf eine Weltenreise mit Mephisto und lernt dabei Gretchen kennen, das Gretchen, das unschuldig-kindliche, dennoch bewusste Mädchen, das er unbedingt haben muss. Gretchen hat keine Chance mehr, denn das schiere Verlangen Fausts und Mephistos schier grenzenloses Repertoire an Tricks und Gemeinheiten müssen sie verlieren lassen. Dennoch: Gretchen verliert sich nicht und kann am Ende der Katastrophe im Kerker der letzten Versuchung zur Flucht, die ihr die beiden bieten, widerstehen. Gretchen ist gerettet.

Schon rein äußerlich erkennbar am langen weißen Kleid mit Bordüre, der artigen Frisur und den adretten Schühchen ist Gretchen (Marina Rensch). Großartig zeigt sie sich in allen Phasen ihres Daseins, der Ergebenheit in ihre Aufgabe als Tochter, dem wachsenden Verlangen nach Faust und ihrer Verzweiflung, als sie ihr Kind ertränkt hat und den Weg in den Kerker annimmt. Anrührend ihr Flehen am Altar um göttlichen Beistand, auch sichtlich den verjüngten Faust in Verlegenheit bringend in der berühmten Gretchenfrage – wie denn Faust zum Glauben stehe.

Andreas Stadtherr ist als der junge Faust nach dessen Verwandlung der richtige Verführer Gretchens. Die Ärmel der Gelehrtenjoppe hochgekrempelt, Kraft und Erlebnishunger stürmend und drängend artikulierend. Kann er ja gar nicht mehr anders, als Gretchen haben zu wollen – und sie mit Hilfe seines Teufels auch bekommt.

 Auf seiner Reise zu Gretchen durchläuft Faust mehrere Stationen. Auerbachs Keller und die Walpurgisnacht seien hier genannt, bei denen die jungen Schauspieler doch sicher auch eigene Ungestümtheit durchaus authentisch auf der Bühne zelebrieren konnten. Es ist nicht  so, das zeigt die Aufführung deutlich, dass das gewaltige Werk des deutschen Dichterfürsten ein zu großes Werk für eine Schultheaterbühne wäre.

Nein, das Werk passt.

Souffleuse, Technik, Maske, Bühne und Requisiten (unter der Leitung von Gabriele Knopf) – alle und alles kamen aus der Werkstatt des Friedrich-Ebert-Gymnasiums.

Die Faust-Inszenierung am Friedrich-Ebert-Gymnasium Sandhausen ist das Ergebnis einer jahrelangen, sehr gelungenen Theaterpädagogik. Nicht nur, dass es hier Schülerinnen und Schüler gibt, die, angeleitet durch Theater begeisterte Lehrkräfte,  bereits seit mehreren Jahren in Rollen zu sehen sind oder sozusagen hinter den Kulissen den notwendigen (technischen) Apparat zur Verfügung stellen. Es ist viel mehr – eine zusammengewachsene und anwachsende Gemeinschaft von

Theaterenthusiasten, denen es ganz klar gelungen ist, sich kontinuierlich auch ein Publikum in das Haus zu holen.

„Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen

Probiert ein jeder was er mag;

Drum schonet mir an diesem Tag,

Prospekte nicht und nicht Maschinen.

Gebraucht das groß´ und kleine Himmelslicht,

Die Sterne dürfet ihr verschwenden;

An Tier und Vögeln fehlt es nicht.

So schreitet in dem engen Bretterhaus

Den ganzen Kreis der Schöpfung aus,

Und wandelt mit bedächt´ger Schnelle

Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.

(Direktor in: „Vorspiel auf dem Theater“ aus „Faust“)

Die Theater-AG hat mit dieser Inszenierung den ganzen Kreis der Schöpfung trefflich beschritten.

Es spielen: Max Berkes, Luisa Brokmeier, Jonas Dietz, Lars Eigemann, Viktor Erdesz, Annika Gehrlein, Lukas Gerstweiler, Lea Giese, Lisa Haag, Sina Kann, Corinna Klitzke, Stefanie Neureither, Marina Rensch, Diandra Roth,Tim Schläger, Jan-David Nickel, Jessica Schlüter, Andreas Stadtherr, Carolin Vetter, Carolin Weik, Hannah Weiser, Natascha Wichmann.

Souffleuse: Anja Krauss

Technik: David Männle, Naveen Aggarval, Frederic Born, Felix Hambrecht, Max Maschler, Iris Mehrbrodt 

Maske: Felicia Zuber, Veronika Apardi, Alisa Berggold, Nina Mildenberger, Chiara Schmidt-Thomee.