Sozialprojekt Äthiopien 2014  

Äthiopien 2014

Äthiopien, wie wir es erleben durften“

FEGler wieder beim Schülersozialprojekt


Schon zum neunten Mal ist eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 1 am Friedrich-Ebert-Gymnasium Sandhausen nach Äthiopien gereist, um in dem Land am Horn von Afrika das Schülersozialprojekt 2014 zu absolvieren. Zwei Lehrkräfte, Xaver Detzel und Barbara Reske, haben die Gruppe begleitet. Nach ihrer Rückkehr haben die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke ihren Eltern sowie der Schulöffentlichkeit präsentiert.


German Church School (GCS): Begegnungsort für SchülerInnen und LehrerInnen aus zwei Kontinenten. Inzwischen gibt es tiefe Vertrautheit, herzliche Freundschaft. In diesem Jahr wurde nochmals ausdrücklich festgehalten, dass das Schülersozialprojekt auch zukünftig stattfinden wird und Lehrkräfte auf beiden Seiten die Organisation und Durchführung vornehmen. Die GCS, recht zentral mitten in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, gelegen, ist eine Schule für Kinder aus sehr armen Familien, die durch Patenschaften auch durch Deutschland finanziert wird. Das fachliche und soziale Niveau an dieser Schule ist sehr hoch, was sich nicht zuletzt an den erfolgreichen Übergangsquoten der Absolventen zu Universitäten zeigt. Unterrichtet wird in zwei Schichten, da das Schulgebäude zu klein für die über tausend Schülerinnen und Schüler in einer Schicht ist. Alle TeilnehmerInnen aus Sandhausen haben während ihres Aufenthaltes in Äthiopien für mehrere Tage ein Praktikum in sozialen Einrichtungen geleistet. Für Alexander und Marie war der Praktikumseinsatz an der GCS sehr interessant. Die Fürsorge des äthiopischen Kollegiums fand Alexander bei seinem Sozialpraktikum an der Schule „toll“. Marie hat in ihrem Praktikumsbericht genauer dargestellt, wie sie beispielsweise mit den ebenfalls an der GCS unterrichteten behinderten Kindern Unterricht erlebt hat.


Partner begegnen sich: Schon lange vor der Reise füllen die deutschen TeilnehmerInnen die Bögen aus, auf denen sie sich, ihre Familien und ihre soziale Umgebung vorstellen. Per Post gehen diese Informationsblätter nach Addis Abeba und werden, ungeduldig erwartet, an die äthiopischen PartnerschülerInnen verteilt. Bisweilen gehen dann bereits erste Mails hin und her und die Begegnungen der Jugendlichen aus zwei verschiedenen Welten finden später vor Ort bei mehreren gemeinsamen Aktivitäten und besonders intensiv bei Besuchen in den Häusern der äthiopischen Partnern, bei dem home visit, statt. Theresa wird später in ihrem Tagesbericht schreiben, dass dieser Tag mit zu den besten ihres fast dreiwöchigen Aufenthaltes in Äthiopien zählt. Die Deutschen staunen, wenn sie beispielsweise mehrfach den Bus dorthin wechseln müssen, wo ihre Partner wohnen, wenn sie im kleinsten Pferdewagen, zu fünft eng auf eine kleine Bank gequetscht, das Häuschen ihrer Partner erreichen. Sie dürfen eine Kaffeezeremonie erleben und können probieren, wie man Injera backt. Der pfannenkuchenähnliche Fladen mit seinem etwas sauren Geschmack, der morgens, mittags und abends mit den Fingern gegessen wird, eingetunkt in Gemüse- oder Fleischsoße, mundet nicht jedem aus der deutschen Gruppe, aber jeder staunt, der von seinem äthiopischen Partner mit genau diesem Injera gefüttert wird. Man muss erst begreifen, welche besondere Geste der Freundschaft dies darstellt.

Weiter: Ein Äthiopischer sowie ein Deutscher Abend wurde veranstaltet, der nicht nur Kulinarisches auf den Tisch brachte. Diese gemeinsamen Unternehmungen fördern nicht nur für die Deutschen manches Neue und Überraschende zutage. Einen ganzen Tag verbrachten die Partner zusammen in einem kleinen Park in Addis Abeba und anschließend beim vergnüglichen Zusammensein in der Unterkunft von der deutschen Gruppe bei „Martin´s Cozy Place“. An dieser Stelle könnte in Zukunft wieder einmal an ein kleineres gemeinsames Projekt gedacht werden: Jugendkultur ganz allgemein, Musik speziell, Positionen zu Politik, Religion, Freundschaft und Liebe…behutsam müsste hier im Vorfeld gedacht, geplant und organisiert werden, um Einstellungen und Traditionen von Jugendlichen in Äthiopien und Deutschland gemeinsam zu fördern. Groß zu schreiben ist in diesem Zusammenhang das Stichwort „intercultural learning“. Und: Das neue Pfarrehepaar an der German Church, Herr und Frau Jacobi, das Ende Juli 2014 bei uns am FEG zu einem ersten Begegnungsgespräch war, hat in diese Richtung gehende Vorschläge unterbreitet.

Dann: Auch die Begleitlehrer werden in diesem Jahr in das Haus eines Lehrers der German Church School eingeladen. Sie freuen sich sehr über ihren home visit am Hang zum Entoto, dem über dreitausend Meter hohen Hausberg von Addis Ababa. Innenhof unter mehreren Metern hohen schlanken Eukalyptusbäumen, die leise im Abendwind hin- und herwiegen. Der Eukalyptus füllt die Luft sacht mit seinem Geruch. Ein äthiopisches Abendessen mit Familie und Freunden bei Ata Yohannes. Das ist auch für die Lehrerkräfte aus Sandhausen ganz neu und begeistert.


Zum Beispiel: Genet Kindergarden at the Lion Zoo: Ein Kindergarten beim Löwenzoo? Ja! Der Löwe von Juda ist aus der Geschichte Äthiopiens nicht wegzudenken und selbstverständlich gibt es einen Zoo mit einem Löwen in Addis Abeba – freilich, Löwenhaltung findet ganz anders als in Europa statt.


Direkt gegenüber dem Zooeingang, keine zehn Meter entfernt, ist der Eingang zum Kindergarten, wo Jasmin, Johannes und Marvin ihr Sozialpraktikum hatten. Begeistert erzählen sie davon, wie sie mit den Kindern in der Einrichtung gespielt, getanzt, gemalt, gelernt haben. Kindergarten in Äthiopien fordert Vorbereitung auf die Grundschule...es wird Zählen gelernt und es wird ein wenig Englisch unterrichtet. „Die Kinder haben meine weiße Haut berührt“, meint Marvin lachend und streicht sich über den Unterarm.

Von einer anderen sozialen Einrichtung, an der sie ihr Sozialpraktikum absolviert hat, berichtet Vanessa. Sie war zusammen mit Katharina bei „Ethiopia Arise“, einer, so Vanessa, sehr gut funktionierenden Einrichtung. Erste Grundlagen schulischen Wissens für Kinder und praktische Hilfe zum Broterwerb für alleinerziehende Mütter stehen hier u.a. auf dem Tagesplan.



Landeskundliche Exkursionen: „Die Fahrt war ziemlich lang, aber der Busfahrer fuhr recht schnell“ – Anna freut sich auch noch bei ihrer Präsentation darüber, dass sie den Blauen Nil gesehen hat. Zwei große Brücken, eine alte für Fußgänger, die neue, von den Japanern erbaute, führt für Autos hinüber zur Straße zum Lake Tana und unten darunter fließt der große Fluss Afrikas, dessen eine Quelle genau im Lake Tana entspringt. Der Weg vom trockenen staubigen Hochland die vielen Serpentinen hinunter in die Nilschlucht ist ein besonderes Erlebnis, da allein schon der Gedanke, da unten eine kleine Wegstrecke des großen sagenhaften Nils zu sehen, der über tausende von Jahren hinweg mit seinem fruchtbaren Schlamm ganze Kulturen zum Leben erweckt hat, ein Erlebnis für sich ist.

Marie begeisterte ihre Zuhörer mit Bildern und ihren Erlebnissen bei den Konso und einer Bootstour auf dem Lake Chamo im Nationalpark Nech Sar. Die Konso, deren Gebiet auf der Liste der UNSECO World Heritage Sites steht, blicken auf eine lange Tradition mit terrassenförmig angelegten Wegen und Hütten zurück und zeichnen sich durch ihre besonders geprägte soziale Struktur und ihren beeindruckenden Totenkult aus, der sich unter anderem durch an die Toten erinnernden Holzfiguren äußert.

Wenige Stunden später: Sieben Meter lange Krokodile und „Hippos“ direkt neben sich am kleinen Ausflugsboot mitten auf dem Lake Chamo entlockten manchem der reisenden FEGler Freudenrufe und vertrieben dann aber auch leider manches Tier. Grausen und Angst hatte sich – entgegen des wohlmeinenden Rates eines Kollegen am FEG und mehrerer entsetzter Aufschreie bei TripAdvisor – bei keinem der vor Begeisterung und Staunen hingerissenen Reisenden aus Sandhausen eingestellt.

„Wie Elefanten sehen die Hütten der Dorze aus“ erzählte Julia und meinte damit die hochgezogenen Hütten im südlichen Hochland beim Lake Abaya. Die Dorze, bekannt für ihre Webereierzeugnisse, demonstrierten der Sandhäuser Gruppe, wie man aus Schafswolle einen Faden spinnt und wie leicht eine bestimmte Chilipaste, für den deutschen Gaumen dann doch viel zu scharf, einem die Tränen in die Augen treiben kann. Sehr beeindruckend, so Julia, danach die vermeintlichen Bananenpflanzen. Es gibt aber, das sei angemerkt, auch echte, zuckersüße Bananen! Die hohen Stauden der falschen Banane, der Ensete-Staude, macht Nahrung in Äthiopien oft überhaupt erst möglich. Aus dieser Staude werden verschiedene Dinge des Alltags hergestellt, besonders das tägliche Kotscho, ein säuerlich schmeckendes Brot. Das Mark der Ensete wird aus den Blättern geschabt und, in Blätter eingewickelt, eine gewisse Zeit in die Erde zur Fermentierung gelegt. Danach wird der Teig auf offenem Feuer zu Kotscho gebacken. Die Kostprobe hat den meisten geschmeckt.


Informationsbesuche bei Institutionen und NGOs: Sehr beeindruckend fand nicht nur Paula den Besuch in der „School of special needs“, einer im wahrsten Sinne des Wortes einzigartigen Einrichtung für behinderte Kinder und Jugendliche, die von der Mekane Yesus Kirche geführt wird. Unterricht in Kleingruppen mit differenziertem Material für Behinderte ist in Äthiopien die absolute Ausnahme. Als einen perfekten kleinen Ort inmitten der Millionenstadt empfand Paula diese besondere Schule, in der die geringe Schülerzahl pro Klasse und das schüleradäquate Material hervorsticht.

Besuche in der Deutschen Botschaft zur allgemeinen Information der Interessensvertretung Deutschlands in Afrika und Äthiopien , bei der African Union anlässlich des 20. Gedenktages des Völkermordes in Ruanda und in Museen komplettierten das Bild, das sich die Gruppe von Äthiopien machen konnte. Zu den Projektbesuchen gehörte auch ein Ganztagesausflug an den Wenchi Crater mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), wie Jasmin berichtete. Wiederaufforstungsprogramme, der Versuch, Erosion zu stoppen und Wasseraufbereitung waren hier Schwerpunkte. Ein vergnügliches Picknick am Rand des Wenchi Crater sowie manch sehnsuchtsvoller Blick hinab in die Tiefe, wo sich kleine Häuschen mit Gärtchen, in denen die falsche Banane wächst, an den Kraterrand schmiegen, machten deutlich, dass eine Wanderung hinab ganz bestimmt auch gut angekommen wäre. Das in der Sonne bläulich schimmernde Wasser im Krater tat ein Übriges. Übrigens: Zum Schwimmen im Wasser wäre dort ohnehin keiner gekommen, denn vom Schwimmen ist wegen der Bilharziosegefahr in den Süßwasserseen in Äthiopien – mit Ausnahme des Langano Sees – abzuraten.


Spätestens beim Winterbazar im kommenden November wird es am Friedrich-Ebert-Gymnasium Sandhausen erneut Gelegenheit geben, sich über das Schülersozialprojekt Äthiopien zwischen dem Friedrich-Ebert-Gymnasium Sandhausen und der German Church School in Addis Abeba zu informieren. 2015 wird es wohl die zehnte Begegnungsrunde geben. Es wird weiter gehen.

 






Bilder des Äthiopienaufenthaltes 2014