Projekte und Veranstaltungen  

Das FEG unterstützt die Stolperstein-Initiative Sandhausen

„Stolpersteine“ sind die in Stein eingelassene Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus. Diese Betonsteine werden mit einer Messingtafel versehen, die die wichtigsten Informationen über das Einzelschicksal von Juden, Sinti und Roma, Euthanasieopfern und anderen Verfolgten des NS-Regimes enthält, und werden dann vor dem letzten freiwilligen Aufenthaltsort in der Regel im Bürgersteig in den Boden eingelassen. Über 50 000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig als Initiator des Projektes in Deutschland, in Europa und darüber hinaus schon verlegt.

Das FEG hat sich auf Einladung der Herren Kraft und Krebs an der Gründung der Initiative beteiligt. Im Schuljahr 2014/15 haben Schüler des Seminarkurses „Opfer des Nationalsozialismus in Sandhausen und Umgebung (Stolpersteinprojekt)“ unter Leitung der Geschichtslehrer Jochen Benkö und Dietmar Müller-Praefcke einzelne Biografien, Schicksalsorte und den Umgang mit der Erinnerung erforscht. Schüler waren anwesend bei der Abstimmung im Sandhäuser Gemeinderat, bei der das Projekt einstimmig befürwortet wurde, und sie haben die Ergebnisse ihrer Forschung einer interessierten Öffentlichkeit in der alten Synagoge vorgestellt.

Wir werden dieses Projekt aus unserem Bildungsauftrag und aus einer allgemeinen Menschlichkeit heraus auch zukünftig begleiten.

Dietmar Müller-Praefcke


Fluchthelfer und Stasi-Häftling

Deutsch-deutsche Geschichte(n) eines Zeitzeugen am Friedrich-Ebert Gymnasium

Vor 220 Schülern aus den Klassenstufen 9-13 berichtete Prof. Dr. Manfred Görlach am 24. April von seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit der deutschen Teilung. 

Als Student in Berlin bekam er den Bau der Mauer natürlich hautnah mit. Die Meldung „Berlin ist dicht“ am Morgen des 13. August 1961 schien unglaublich; wie sollte man eine Millionenstadt teilen, mit den vielen Pendlern zwischen Ost und West, mit dem U-Bahnnetz, der Kanalisation, den Telefonverbindungen… 

Manfred Görlach überzeugte sich selbst: Stacheldrahtrollen und Panzer, die ihre Geschütze in Richtung Osten gerichtet hatten, waren der erste Schritt zum Ausbau einer Grenze, an der Hunderte in ihrer 28jährigen Existenz das Leben ließen. Er fuhr, so berichtete Görlach, nach Ostberlin und wurde dort von Studenten der Osterberliner Humboldt-Universität mit dem Wunsch konfrontiert: „Holt mich hier raus.“ Und Görlach handelte: Mithilfe gefälschter Pässe und einem manipulierten Auto konnten mehrere Personen durch die strengen Grenzkontrollen geschleust werden, bis durch einen unglücklichen Zufall die Staatssicherheit auf den Fluchthelfer aufmerksam wurde; der 24-jährige Görlach ging in die Falle und wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis zu seinem Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland verbrachte er 976 Tage in Haft. Den aufmerksam zuhörenden Schülern schilderte er, wie es ihm gelang, die schwierigen Haftbedingungen zu überstehen: Eine Strategie zwischen Anpassung und Widerstand, aber auch etwas „Schauspielerei“ halfen; schlussendlich durfte ein Quäntchen Glück nicht fehlen.

Abschließend betonte Görlach, dass die Mauer die DDR zum Unrechtsstaat gemacht habe. Stille Helden seien diejenigen, die das 40 Jahre ausgehalten hätten, ohne „Schweine“ geworden zu sein. 

Kräftiger Applaus beendete den 90-minütigen Vortrag: Die Zuhörer hatten ein großes Beispiel an Mitmenschlichkeit und Zivilcourage kennengelernt. 

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