Einer flog über das Kuckucksnest 2015  

Wahnsinnstheater am FEG Sandhausen: Erfolgreiche Inszenierung von Dale Wassermans „Einer flog über das Kuckucknest“

Es konnte nicht gut gehen! Da lässt sich Randall McMurphy in ein Irrenhaus einweisen, um einer Gefängnisstrafe wegen Unzucht mit einer Minderjährigen zu entgehen. Allein schon diese Einweisung ist wahnsinnig. Und noch mehr Wahnsinniges kommt auf die Bühne: McMurphy will das System „Irrenhaus“ umkrempeln und will dem starren Rahmen von Unterordnung und Kontrolle, angeführt durch Krankenschwester Ratched, Lockerung verabreichen. In Zukunft soll es statt bitterer sedierender Medizin und wenig sinnstiftender Gruppentherapie für die Kranken Freude, Spiel und heilende Sitzungen geben. Wenn es nach McMurphy geht. Geht es aber nicht!

Wahnsinnig! Hier im Kuckucksnest gibt es sie noch, die Anstalt, die den Kranken oder sich krank Fühlenden nur scheinbar Hilfe anbietet, sich in Wirklichkeit jedoch ihres Machtapparates bedient, um sich selbst an der Macht zu halten, und damit gleichzeitig das gesamte gesellschaftliche System, aus dem heraus sich ihr Handeln und Herrschen legitimiert. Die Inszenierung am FEG war deutlich ideologisch platziert. Es drehte sich auch um die Auseinandersetzung von Autorität mit Antiautorität. Missstände kamen auf den Prüfstand.

Nicht alles, wenig sogar läuft für die Insassen der Anstalt, dem Kuckucknest, gut. McMurphy gelingt es zwar, nach anfänglicher Skepsis der Mitglieder seiner Patientengruppe ihm gegenüber, sich nicht nur in die therapeutischen Gruppenspiele dieser einzumischen, sondern die Gruppe in seinem Sinne zu solidarisieren, so dass die gesetzten Anstaltsregeln zu weichen beginnen und Angst der Kranken weggehen kann. Nicht lange jedoch – das Anstaltsimperium schlägt zurück, Elektroschocker und Hirnoperation kastrieren McMurphys vitale Energie, brechen seine Beharrlichkeit und zerstören ihn. Vergeblich ist der Versuch der Änderung.

Mit der Aufführung der Theater-AG gelang durch die hervorragende Spielleistung der jungen SchauspielerInnen, die nicht zuletzt der überaus engagierten und beharrlichen Theaterarbeit der beiden Regisseurinnen Ursula Bergerfurth und Gabriele Schmid-Dresel geschuldet ist, Großartiges.

Die geballte Lebenslust und das Wollen von McMurphy setzten sich im sprachlichen Duktus und körperlichen Schwung akzentuiert dem leblosen Beharren und Sichern von Psychiatrie entgegen. Louis Stadtherr spielte exzellent diese Rolle: „Leute, ich bin McMurphy!“ Ja! In jeder Phase des Spiels drangen die Freude und das Können am Spiel von Louis Stadtherr auf die Bühne.

Weiß, allein schon durch die Schwesterntracht, bleich, gestelzt, gemein und starr agierte Rocio Lopez-Martin als Schwester Ratched absolut systemkonform. Sie wollte sich durchsetzen und sie setzte sich durch wie beispielsweise in ihrem kalten, andeutungsweisen In-sich-Hineinlachen, das gerade auch dann nicht verstummte, als McMurphy zum Krüppel gemacht wurde.

Eine dezidierte Sprache und darstellende Leistung zeichneten Lea-Sophie Müller-Praefcke als Patient Harding aus, der sich seinen führenden Platz innerhalb der Patientengruppe sichtbar erarbeitet hatte und diesen raumfüllend durchhielt. Daniel Purkart gelang es als Patient Billy beeindruckend in der Gestik, seinen starken Mutterkomplex auszudrücken – einen Arm eng an den Körper gedrückt, leise, scheu, tastender Blick, langsame Schritte. Hannah Weiser als der verrückte Martini, Jessica Schlüter als die leichtbekleidete, flitterhafte Candy Starr und Jens Pernikel als Häuptling Bromden, der scheinbar wirr die traditionelle Welt seines Stammes auf die Bühne brachte, in Wirklichkeit aber seine Taubheit vortäuschte, um wenigstens ein wenig Ruhe für sich vor dem System Irrenanstalt zu bewahren - sie alle zusammen stellten mit dem ganzen Ensemble, der Technik und Maske die irre Anstalt, das Abbild von Gesellschaft im Kleinen, auf die große Bühne. Das war gelungen! Der Beifall für diese Inszenierung war sehr verdient. Das volle Haus was begeistert.


Impressionen der Aufführung

Maschinenchoreographie 1
Wärter + Bromden alias Laura, Karolina, Aileen, Jens
Scanlon alias Franziska
Frederickson alias Helen
Techniker alias Serra
Flinn, Cheswick alias Jana T., Julia
Harding alias Lea
Billy alias Daniel
Dr. Spivey alias Lisa
McMurphy/Martini alias Louis, Hannah
McMurphy - Louis
Ruckly alias Philippe
viele Patienten + Doktor + Schwester: Daniel, Lea, Jens, Louis, Philippe
Candy alias Jessica
Martini alias Hannah
Ratched alias Rocio
Holly alias Selin
Turkle alias Jana F.
Sandy, Mandy alias Anastasia, Casandra
McMurphy und Ratched - Louis und Rocio

Einer flog über das Kuckucksnest

Der Roman "Einer von flog über das Kuckucksnest" von Ken Kesey wurde 1962 veröffentlicht, im Jahr darauf entstand die Bühnenfassung von Dale Wasserman. Berühmtheit erlangte das Stück aber durch den Film von Milos Forman 1975, der Jack Nicholson schlagartig weltberühmt machte.

Schauplatz des Geschehens ist eine psychiatrische Einrichtung in den Vereinigten Staaten, eine scheinbare Idylle, in der Oberschwester Ratched Insassen und Betreuerstab gleichermaßen im Griff hat, als eines Tages ein neuer Patient aufkreuzt, der so gar nicht in das System passt. Randle Patrick McMurphy hat keine Störung der Persönlichkeit, sondern hat sich einliefern lassen, um dem - wie er meint anstrengenderen - Arbeitslager zu entgehen. Er lehnt sich gegen das Regime der Oberschwester auf, indem er die anderen Patienten gehörig aufmischt und aufwiegelt. Ein gefährliches Spiel beginnt ...

Die Aufführungen in der Aula des Friedrich-Ebert-Gymnasiums finden am 20.4., 22.4. und 24.4.2015, jeweils um 19:00 statt. Karten gibt es im Vorverkauf ab 13.4.2014 im Sekretariat (06224/9332-0) oder an der Abendkasse.