Sozialprojekt Äthiopien 2016  

Schülersozialprojekt Äthiopien 2016


10 Jahre Partnerschaftsbegegnung in Äthiopien 2006 – 2016: Erfahrungen unserer Elftklässler in Addis Abeba

Schockierende erste Eindrücke von bettelnden Kindern und im Straßengraben liegenden Menschen werden schnell abgelöst von einem Gefühl, dass die FEG-Schüler mit Addis Abeba schon richtig vertraut sind. Addis Abeba - eine pulsierende Stadt voller Leben, Bewegung und Veränderung.  Hochhäuser, Metrolinien und neue Straßen werden aus dem Boden gestampft. Traditionelle Wohnviertel verschwinden. Armut und Reichtum stehen in krassem Gegensatz. Beim Rückflug kurz vor Ostern kommt Wehmut und Sehnsucht auf: „Werde ich diese Stadt und die hier liebgewonnenen Menschen wiedersehen können?“
Seit zehn Jahren gibt es unser Schülersozialprojekt in der Hauptstadt Äthiopiens. 2006 begaben sich die ersten zehn Schüler aus Sandhausen auf die abenteuerliche Reise. Seitdem besucht jährlich eine Schülergruppe des FEG die German-Church-School (GCS), eine Schule der Deutschen Kirchengemeinde in Addis Abeba, die für die ärmsten der äthiopischen Kinder im Umfeld der Kirche gegründet wurde. Neben Sozialpraktikumsstunden in Kindergärten und Kinderheimen stehen für unsere Schüler gemeinsame Unternehmungen mit gleichaltrigen Partnerschülern der GCS im Mittelpunkt des Projekts.  Die elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer im März 2016  haben teilweise seit mehreren Jahren die Berichte der früheren Gruppen verfolgt und waren nun sehr gespannt auf das eigene Erleben.
Die anfängliche Unsicherheit vor der Begegnung mit den äthiopischen Partnerschülern löste sich schnell auf: „Ich habe befürchtet, dass die Gespräche eher distanziert und gezwungen verlaufen. Jedoch hat man ganz schnell gemerkt, dass die Partnerschüler uns gegenüber sehr offen und interessiert sind. Schon nach wenigen Begegnungen hat sich eine Art von Freundschaft entwickelt. Ich persönlich hoffe, dass der Kontakt bestehen bleibt, da wir uns wirklich gut verstehen“, so Anastasia aus der deutschen Schülergruppe, und Helen ergänzt: „Das Äthiopien-Projekt hat meine Erwartungen übertroffen. Vor allem die Partner-Begegnung hat mir unerwarteter Weise am besten gefallen. Dass wir uns alle so gut mit unseren Partnern verstehen, dass so viele Gemeinsamkeiten und Sympathien bestehen, war wirklich toll. Nach den drei Wochen will ich auch alles daran setzen mit den äthiopischen Schülern Kontakt zu halten.“
In der German-Church-School wurden die Schüler des FEG mit einer traditionellen Kaffeezeremonie begrüßt und konnten dabei eine großzügige Spende des „Eine-Welt-Kreises“ aus Sandhausen überreichen: Werkzeuge für die neue Lehrwerkstatt der Partnerschule. Inzwischen sprechen die Lehrer beider Schulen in ihren Begrüßungs- und Abschiedsreden nicht nur von Partnerschaft, sondern von wirklicher Freundschaft, die sich in den letzten zehn Jahren zwischen der GCS in Addis Abeba und dem FEG in Sandhausen entwickelt hat.
Nicht vergessen werden die Teilnehmer den äthiopischen und deutschen Abend, an denen es neben Präsentationen auch viele Spezialitäten zum Essen gab und viel getanzt wurde. Weitere Höhepunkte waren die Stadt-Ralley in Addis Abeba, Ausflüge zum Awash-Nationalpark und zu Naturreservaten, sowie Besuche bei „Brot für die Welt“, bei der African Union und in der Deutschen Botschaft, die interessante politische Einblicke in die Entwicklung Äthiopiens boten. Beeindruckend und bewegend waren die Homevisits: Die deutschen Jugendlichen, untergebracht in angenehmen Hostelzimmern, sahen, wie ihre Partnerschüler in Blechhütten leben, teilweise mit fünf und mehr Familienmitgliedern in einem Raum, und dennoch fröhlich und gastfreundlich sind.  
Tiefgehende Erfahrungen und Erkenntnisse entwickelten sich aus dem Begegnungsprojekt:
„Gelernt haben wir sicherlich, dass es nicht darauf ankommt, woher ein Mensch kommt, und dass es wichtig ist, eben auch solche Freundschaften über Kontinente hinweg zu haben, bei denen wir viel voneinander lernen können.“ (Anastasia)
„Ich habe gelernt, wie dankbar wir über unser Leben in Deutschland sein können. Ich kann nicht einfach in Deutschland mein Leben leben und dabei wissen, dass wegen der Dürre in Äthiopien Menschen verhungern. Durch das Sozialprojekt mache ich mir mehr Gedanken über meine zukünftige Berufswahl, da ich damit etwas erreichen möchte.“ (Lea)
„Was ich für mein Leben mitnehme ist sicher, dass ich sehr zufrieden mit meinem Leben sein kann. Die Erkenntnis, dass es nicht selbstverständlich ist , dass mir alle Türen für meinen weiteren Lebensweg offen stehen, dass ich kostenlos Bildung bekomme, ein soziales Netz habe, eine Kranken-Versicherung besitze, und dass es so gut wie keine Grenzen zur restlichen Welt für mich gibt, einfach weil ich deutscher Staatsbürger bin. Mit diesen Gedanken geht auch eine tiefe Dankbarkeit einher.“ (Helen)
In ihren Herzen nehmen unsere Elftklässler die Erinnerung an die strahlenden Gesichter der äthiopischen Kinder in der GCS und in den besuchten Sozialprojekten und die Gastfreundschaft ihrer Partnerschüler mit zurück nach Deutschland.


Sozialprojekt Äthiopien 2016

Einen ganz besonderen Ort haben sich die FEG-Schüler Felix, Celine, Silas, Alisa, Franziska, Helen, Enja, Lisa, Lea-Sophie, Philipp und Anastasia (alle JS1) für ihr Sozialpraktikum ausgesucht: Begleitet von Frau Hamann und Herrn Wild, besuchen sie im März 2016 Äthiopien. Dort erwarten sie nicht nur Kontakte zu Schülern der äthiopischen Partnerschule des FEG, sondern sie verknüpfen dies zugleich mit dem in JS1 obligatorischen Sozialpraktikum und helfen tatkräftig in verschiedenen sozialen Einrichtungen vor Ort.

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Aus dem Bericht der Schüler:

Tag 1:

Unser erster Tag in Äthiopien war sehr eindrucksvoll, da wir sofort äthiopische Sitten kennengelernt haben. Nach der nächtlichen Ankunft in der Hauptstadt Addis Abeba sind wir nach einer kurzen Nacht in den deutschen Gottesdienst der evangelischen Gemeinde eingeladen worden, um uns vorzustellen.

Danach hatten wir ein gemeinsames Essen im Pfarrhaus und haben anschließend unsere Gruppe von 12 Schülern aus der German Church School (GCS) zum ersten Mal gesehen. Gemeinsam sind wir auf den höchsten Hügel hier in der Umgebung (en Toto) gefahren und konnten einen super Ausblick auf die ganze Stadt genießen.

Tag 2:

Am zweiten Tag stand schließlich der erste Besuch in unseren sozialen Einrichtungen (Praktikumsstellen) an, die einen wichtigen Aspekt unseres Aufenthaltes repräsentieren. Jeweils zu zweit oder dritt sind wir in Kindergärten, Waisenhäuser oder Schulen gegangen, um dort Erfahrungen zu sammeln.

Anschließend haben wir die GCS besucht und eine Führung bekommen. Die danach folgende Kaffee-Zeremonie ist ein typisches Ritual in Äthiopien, das besonders eindrucksvoll für Gäste zelebriert wird und fest in den Alltag der Äthiopier integriert ist.

Zum Abschluss des Tages haben wir abends dann noch alle in der Küche unserer Unterkunft gekocht.

Tag 3:

Wie auch gestern waren wir bei den Praktikumsstellen. Nachmittags haben wir eine Organisation namens „Together“ besucht. Es ist ein Projekt für Blinde, das ihnen durch z.B. IT-Schulungen hilft, den Alltag zu erleichtern. Dabei gibt es auch Kinderbetreuung für blinde Mütter.

Am Abend sind wir mit einigen Lehrern, dem Direktor der GCS und unseren Partnerschülern in ein traditionelles äthiopisches Restaurant gegangen, das wie alte Hütten aufgebaut war. Gemeinsam haben wir gegessen und zu typisch äthiopischer Musik getanzt.

Tag 4:

(Erneut Praktikum.)

Eine Besonderheit an diesem Tag waren die Hausbesuche bei unseren Partnerschülern. Wir sind mit unserem jeweiligen Schüler zu ihm nach Hause gefahren, nahmen an Kaffee-Zeremonien teil und aßen zusammen. Vor allem aber haben wir kennengelernt, wie Äthiopier leben, was sehr interessant war.

Tag 5:

Am Donnerstag besuchten wir nach einem weiteren Vormittag in der Praktikumsstelle die deutsche Botschaftsschule in Addis abeba.
Wir wurden freundlich aufgenommen und haben ein warmes Mittagessen gerichtet bekommen.
Anschließend waren wir zusammen mit den Partnerschülern in der deutschen Botschaft, in der uns der 1. diplomatische Sekretär (Herr Wegner) alles Sehenswerte zeigte und uns sehr gelungen die gestellten Fragen beantwortete.
Die Gespräche mit ihm und Fragen von äthiopischer als sowohl auch von deutscher Seite waren sehr interessant und wir konnten einiges lernen. Für uns war der Besuch sehr informativ und interessant, auch weil wir gemerkt haben, dass es einige zu lösende Probleme in Afrika gibt und dabei vor allem die jüngere Gesellschaft eine große Rolle spielt.
Anschließen machten wir eine kleine Busrundfahrt, um die Sehenswürdigkeiten von Addis zu sehen und die Innenstadt kennenzulernen.
Der Abend war frei und wir verbrachten die Zeit mit Kochen und gemeinsamen Spielen.

Tag 6:

Nach unserem Sozialpraktikum besuchten wir die Organisation "Bosco Children", welche Straßenkindern hilft. Dabei gehen verschiedene Mitarbeiter ein Mal im Monat durch die Stadt und sammeln dort Jungs, die auf der Straße leben, ein, um sie in ihr Projekt aufzunehmen und ihnen somit die Chance auf ein besseres Leben zu bieten. Die aufgenommenen Kinder lernen dort nämlich grundsätzliche Dinge wie Lesen, Schreiben, Kochen, Handwerken, um nach dem Jahr in der Organisation einen Beruf  zu erlernen, und den Umgang mit Menschen. Besonders effektiv schien dabei für uns das Lernen durch den Sport, indem sich die Kids durch in ein Fußballspiel integrierte Fragen spielerisch Allgemeinwissen aneignen.
Außerdem haben wir dort einen Mann kennengelernt, der freiwillig in der Organisation mithilft und es auch geschafft hat, in Eritrea 41 Häuser mit einem Wasseranschluss zu bauen. Wenn man solche Menschen kennenlernt, dann fragt man sich, was man mit dem eigenen Leben bzw was wir mit der Reise erreichen können und ob wir  damit auch wirklich Dinge verändern können.
Letztendlich sind es aber die Erfahrungen, die uns ein Stück weiterbringen und zum Nachdenken anregen.

Tag 7:


Am Samstag sind wir mit dem Bus in den Awash Nationalpark gefahren, um mit unserem Partnerschülern mehr vom Land und den Tieren zu sehen. Nachdem wir uns in unserer Lodge eingerichtet haben, sind wir durch den Park gefahren und konnten neben einem Canyon zahlreiche Tiere wie z.B Antilopen, Schildkröten, Warzenschweine und Krokodile sehen.
Nach der dreistündigen Fahrt durch den Park fuhren wir in die Nähe einer Höhle, um wilde Hyänen zu beobachten,die durch Fleisch angelockt wurden. Obwohl wir die ganze Zeit von einem Ranger mit einer Waffe begleitet wurden und wussten, dass jeden Tag Besucher kamen, um die Hyänen zu sehen, war es ein bedrückendes Gefühl, wilden Raubtieren so nahe zu sein. Vor allem als es dunkel wurde und man nur noch von Weitem das Heulen der Hyänen hörte, merkte man, wie die Stimmung immer angespannter wurde.
Als es zu dunkel war, um die Tiere zu sehen, gingen wir wieder zurück in unsere Lodge und aßen zu Abend mit unseren Partnerschülern.


Tag 8:

Gleich am frühen Morgen sind wir zusammen losgewandert, um die Krokodile in dem Fluss unterhalb unserer Unterkunft zu sehen.
Danach haben wir das äthiopische Frühstück mit einem tollen Ausblick auf das ganze Tal genossen.
Bei schönstem Wetter sind wir nochmal durch den Nationalpark gefahren, um ein paar letzte Fotos zu machen, bevor wir uns auf den Rückweg in unsere Hauptunterkunft gemacht haben. Währenddessen haben wir eine kleine Mittagspause in einem Restaurant gemacht, von dem aus man den einzigen Kratersee in Addis Abeba sehen konnte.
Unserer Meinung nach war der Ausflug eine perfekte Möglichkeit, um das "wahre Afrika" kennenzulernen, eben die typische Landschaft mit Tieren, wie sie sich Nicht- Afrikaner vorstellen. Dabei haben wir bemerkt, dass die meisten Vorstellungen von einem typischen Afrika von uns bestätigt worden sind.

Tag 9:

Heute haben wir gemeinsam mit unseren Partnerschülern die African Union besuchen dürfen. Das Gebäude war, entgegen unseren Vorstellungen, sehr modern und wirklich groß, was uns sehr beeindruckt hat. Als wir erfahren haben, dass das gesamte Parlament von China gestiftet wurde, waren einige von uns sehr skeptisch. Der große Einfluss Chinas in Afrika kam auch bei der späteren Fragerunde mit unseren Guides erneut auf, nachdem diese uns einen Vortrag über global warming sowie die Funktionen der African Union gehalten hatten.

Alles in allem können wir mitnehmen, dass die African Union noch lange nicht das ist, was wir uns unter Demokratie vorstellen aber sich bereits auf einem guten Weg dorthin befindet.
Anschließend gingen wir noch alle zusammen Souveniers für unsere Famillien in deutschland kaufen.
Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch das ethnologische Museum, was die meisten sehr interessant fanden.

 

Tag 10  Honig - Projekt:


Der Besuch beim Honig-Projekt war für 8 von uns eine ganz besondere Erfahrung. Wir waren sehr begeistert, dass mit einer sehr simplen Idee wie Bienenstöcken so vielseitig geholfen werden kann.
Motivierte, arme Frauen werden geschult und können schließlich durch den Honigverkauf sich und ihre Familien ernähren und den Kindern eine schulische Ausbildung finanziell ermöglichen. Da uns dieses Projekt sehr positiv überzeugt hat, haben wir uns entschlossen, mit einem Teil des eingenommenen Geldes der SMV weitere drei Bienenstöcke zu finanzieren, um noch mehr Familien den Lebensunterhalt sichern zu
können.

Brot für die Welt

Außerdem haben wir gemeinsam die bekannte Organisation Brot für die Welt genauer kennengelernt und dabei einige wichtige Dinge über Hilfsorganisationen erfahren, die wir gerne mit anderen teilen möchten.
Beispielsweise ist es wichtig, ein wenig Vertrauen in Organisationen zu haben, um wirklich helfen zu können und des Weiteren nicht nur bei Katastrophen zu spenden, sondern eher regelmäßig, da zweckgebundene Spenden meist in Überschuss vorhanden sind und somit nicht anders verwendet werden können.
Besonders interessant war dabei für uns auch, dass diese Organisation versucht, langfristige Konzepte zu erstellen, auch was die Nachhaltigkeit angeht. Denn es geht nicht nur darum, Bauern durch Bewässerungskonzepte oder Saatgüter zu unterstützen, sondern auch soziale Komponenten wie die Aspekte von Aufklärung zu berücksichtigen.
Nur so kann ein langfristig sinnvolles Projekt gewährleistet werden.

Äthiopischer Abend


Um 18 Uhr trafen wir uns vor dem Gemeindehaus zum äthiopischen Abend. Die Partnerschüler haben, wie wir erfuhren, erstmals selbst alles vorbereitet, dekoriert und gekocht. Wir waren sehr beeindruckt von dem üppigen Buffet mit den typisch traditionellen Gerichten wie "injera". Trotz ungewohnter Schärfe des Essens schmeckte uns fast alles und nach netten Unterhaltungen präsentierten die Schüler uns ihr Land, die Traditionen und Natur in aufwendigen PowerPoint Präsentationen. Um den Abend aufzulockern, tanzten wir (bzw versuchten es) auf äthiopische Art und lernten kleine Spiele kennen.
Uns beeindruckte das Rhythmusgefühl der Tänzer und wir versuchten das typische Tanzen mit den Schultern nachzuahmen. Uns hat der Abend sehr gefallen und eine Kaffeezeremonie rundete den Abend gegen 22:00 ab.

Tag 11: Stadtrallye

Heute stand die geplante City Ralley an. Dazu fanden wir uns morgens gemeinsam mit unseren Partnerschülern im Gemeindehaus der German Church School ein, um die nötigen organisatorischen Details zur Ralley zu besprechen. Danach bildeten wir gemischte Gruppen bestehend aus 4 bis 5 Leuten und zogen los.
Für die Ralley erhielt jeder einen Bogen mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten und individuellen Fragen dazu, den man während dessen, so gut es ging, füllen sollte.
Der Tag war für alle sehr anstrengend, da man oft in sehr engen Taxis, einer prall gefüllten Bahn oder zu Fuß unterwegs war. Trotz dessen war es eine sehr interessante Erfahrung mit vielen neuen Eindrücken über die Stadt, die Menschen und die Kultur, die jeder machen sollte, der ein solches Entwicklungsland besucht.

Tag 12

Am Donnerstag haben wir zu zweit einen Sporttag an der German Church School mit insgesamt 80 Kindern organisiert. Nachdem wir uns mit den Kindern gedehnt und aufgewärmt haben, haben wir die Schüler in zwei Teams aufgeteilt und sie anschließend im Staffellauf gegeneinander antreten lassen. Nach einigen Runden haben wir ihnen dann mit Hilfe der zwei Sportlehrer Kettenfangen erklären können.
Am Ende der Unterrichtseinheit haben wir die Schüler dann in Mädchen und Jungen geteilt und untereinander Fußball spielen lassen. Insgesamt war unser Eindruck vom Sporttag sehr positiv, da die Kinder im allgemeinen sehr diszipliniert sind und die Vorgaben befolgt haben. Außerdem hat uns das starke  Zusammengehörigkeitsgefühl beeindruckt, da auch blinde Kinder gut integriert wurden, an allen Spielen so gut es ging teilnahmen und trotz ihrer Einschränkung akzeptiert wurden.
Die Tatsache dass die Kinder viel Spaß hatten und sich untereinander gut verstanden haben hat uns sehr gefreut.

Mittwoch

Des Weiteren stand der Deutsche Abend an. Wir Deutschen wollten zu diesen Anlass zeigen, was unsere Küche Leckeres zu bieten hat. Besonders herausgefordert durch den sehr gelungenen äthiopischen Abend und der momentanen veganen Fastenzeit, machte sich das Koch- Team, vier Mädchen unter der Leitung von Frau Hamann, daran Revanche zu bieten. Das erste Mal in der Geschichte des Austausch Projekts sollte es ein Drei- Gänge- Menü geben. Der erster Gang war eine Suppen Auswahl. Der zweite Gang bestand aus verschiedenen Salaten, dazu Käsespätzle und Nudeln mit Bratensoße für die fastenden Äthiopier.
Als Dessert zauberte das Kochteam einen veganen Pudding und einen Schokopudding mit Obstsalat.
Auch wenn das deutsche Essen bei einigen Äthiopier auf Argwohn stieß, war die Resonanz überwiegend sehr positiv. Auch der weiter Abend verlief sehr amüsant. Wir Deutschen stellten unsere Heimat in verschiedenen Präsentation vor. Der Abend gipfelte in guter Laune mit verschiedenen Gesellschafttänzen, hierbei feierten sowohl die Lehrer als auch  die Schüler beider Nationen kräftig mit.

Tag 13

Am Freitag besuchten wir das Tennisprojekt, welches Straßenkinder ermöglicht Tennis zu erlernen. Allerdings müssen die Kinder gute Leistungen in der Schule erbringen. Es wird dreimal täglich trainiert:
Vor der Schule, in der Mittagspause, nach der Schule. Auch unterstützt das Tennisprojekt die Kinder in der Schule, indem es einen Nachhilfelehrer zur Verfügung stellt. Jedes Jahr haben  fünf bis sechs Auserwählte das Glück nach Deutschland zu fliegen, da eine Kooperation zwischen dem Tennisprojekt und dem Racket Center in Nussloch besteht.
Meiner Ansicht nach ist das Tennisprojekt eine gute Art und Weise arme Kinder zu fördern und ihnen einen besseres Leben zu ermöglichen. Erstaunlich war es außerdem, dass trotz der großen Disziplin, dem Ehrgeiz und dem Durchhaltevermögen die Kinder Spaß an der Sache hatten. Deutlich zu erkennen war das an den vor Freude strahlenden Gesichtern. Dieses Jahr wird das Tennisprojekt voraussichtlich im Juni
wieder in Nussloch sein.

Tag 14

Am Samstag sind wir gemeinsam mit unseren Austausch-schülern auf den Mercato gegangen.
Es gab große Hallen mit vielen Ständen als auch außerhalb zahlreiche kleine Läden, welche Souvenirs, Textilien, Gewürze und andere Gegenstände aus dem Alltagsleben der Äthiopier verkauften.
Es war stets überfüllt und man musste aufpassen nicht aus der Gruppe verloren zu gehen.
Durch die Hilfe unserer Austauschpartner wurden wir herumgeführt und haben unsere Einkäufe zu fairen Preisen erhalten.
Vor den gewarnten Taschendieben sind wir glücklicherweise verschont geblieben auch wenn wir auf Grund unseres Erscheinungsbildes sehr auffällig waren.
Abends hat und dann der Schulsozialarbeiter Merdassa mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern besucht.
Wir haben uns über allgemeine Themen wie Religion, Politik und das Alltagsleben unterhalten und gemeinsam einen schönen Abend verbracht.


Tag 15

Sonntags stand ein weiterer gemeinsamer Ausflug mit unseren Partnerschülern an, diesmal nach Debre Libanos. Nach einer mehrstündigen Busfahrt haben wir eine äthiopische Familie besucht, die auf einem völlig abgeschiedenen und beinahe unbesiedelten Hügel lebte und uns geflochtene Körbe und handgeschnitzte Kreuzketten verkaufte. Es war sehr interessant zu sehen, wie bescheiden diese Menschen leben und dennoch glücklich sind.
Danach stand eine Wanderung über die "Portugiesische Brücke" an mit einem Essen im Hotelrestaurant mit wundervoller Aussicht. Wir wurden dabei erneut durch die Vielfalt der äthiopischen Natur überrascht, die neben Seen und Steppe auch Berge zu bieten hat.

Tag 16 und 17

Der letzte Ausflug dauerte von Montag bis Mittwoch an, wobei dieses Mal nur wir und Ato Johannes, ein äthiopischer Lehrer,dabei waren. Es war wirklich toll, da unsere Unterkunft ein sehr komfortabler Resort in Debre Markos war, der uns einen Pool, leckeres Essen, Fitnessstudio und Spa-Bereich bot.
Hinter der Hotelanlage befand sich auch der riesiger See Ziway, auf dem wir am Dienstag eine Bootstour gemacht haben. Neben zahlreichen Vogelarten konnten wir auch eine Gruppe von sieben Nilpferden bestaunen. Auch haben wir einen kleinen Stopp an einer Insel eingelegt, um uns dort die Natur anzusehen. Glücklicherweise hatten wir auch die Chance, mit zwei einheimischen Kindern Ball zu spielen, was wirklich ein unvergesslich schönes Erlebnis war. Am gleichen Tag haben wir zudem den Langano See besucht, ein  alkalischer See, in dem das Baden ungefährlich ist.
Insgesamt war der Ausflug wunderschön, da wir uns an den letzten Tagen noch etwas entspannen konnten und all die Ereignisse zuvor Revue passieren lassen konnten. Auch unsere Gruppe ist dadurch noch stärker
zusammen gewachsen.

Tag 18

Auf der Rückreise nach Addis haben wir ein Weingut besucht, das den äthioipischen Wein "Acacia" produziert. Durch die Führung konnten wir uns einen guten Überblick über die notwendigen Herstellungsprozesse verschaffen.
Der Rest des Tages bestand aus der Rückreise und dem letzten Packen. Angesichts des bevorstehenden Abschieds und dem ende unseres unfassbar tollen Aufenthaltes hatte jeder aus der  Gruppe schlechte Laune.
Den letzten Abend verbrachten wir mit Lehrern und dem Direktor von der GCS, dem Pfarrer  und schließlich unseren Partnerschülern. Nach der Evaluation des gesamten Projekts bemalten wir gemeinsam T-Shirts als Erinnerung an die tolle Zeit und besuchten eine kleine Besinnung in der Kirche der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache.
Nach einem schweren und tränenreichen Abschied machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, wo wir um 2 Uhr nachts das Flugzeug nach Istanbul nehmen mussten.

Jeder von uns kann nach dieser abenteuerlichen Reise sagen, dass wir wirklich viel für unser weiteres Leben gelernt haben. Wir sind über uns selbst hinausgewachsen, weil wir unsere Grenzen überschritten und unseren gesamten Horizont durch die zahlreichen positiven und negativen Eindrücke erweitert haben. Wir haben sehr viel gelernt, vor allem, dass das >leben nicht immer so einfach und sicher wie in Deutschland sein kann, sondern auch andere, weniger schöne Seiten bietet und wir uns daher glücklich schätzen können, so ein Leben führen zu dürfen.

Eindrücke von Enja:

Heute durften ich einen Tag meines Sozialpraktikums im "together" Projekt verbringen, welches wir bereits in der Woche zuvor vorgestellt bekommen haben.
Da die blinden Mütter alle entweder arbeiten oder in der Schule waren, konnten wir eine Weile die Kinder betreuen. Es war erstaunlich wie unterschiedlich sie entwickelt waren, da manche völlig unterernährt und erst im Alter von zwei Jahren mit ihren Müttern zu diesem Projekt kamen und sich vorher auf der Straße durchschlagen mussten. Außerdem konnten wir bei einer Art Bewerbungsgespräch zuhören, durch das die Mitarbeiter entscheiden konnten, welche der Frauen einen der wenigen, begrenzten Plätze bekommen kann. Die Frau die sich hier vorgestellt hat, hat ein sehr niedriges Einkommen, von dem sie sich keinen vernünftigen Lebensstandard leisten kann (nur ein Essen am Tag). Da sie aber nicht wie viele anderen Frauen auf der Straße leben und auch kein Kind hat, mit dem sie teilen muss, hat sie den Platz im "Shelter" vermutlich nicht bekommen.