„Wir sind erwachsen geworden!“, so beginnt Lehrer Markus Wild seine Rede während der Begrüßungszeremonie der deutschen Schülergruppe im Schulhof der German Church School im März 2024 in Addis Abeba. Begleitet wird er von seiner Kollegin Verena Ziegler, dem IT-Experten Thomas Schmitt, sowie 20 Jugendlichen der JS 1. Seit dem Jahr 2006, seit 18 Jahren besteht die Schulpartnerschaft zwischen der German Church School und unserem Friedrich-Ebert-Gymnasium. 16-mal konnte in dieser Zeit eine Gruppe unserer 11. Klassen nach Äthiopien reisen, die German Church School kennenlernen und eintauchen in die Lebenswelt ihrer äthiopischen PartnerschülerInnen. In diesen 18 Jahren sind tiefe Freundschaften entstanden, „mit 18 steht man auf eigenen Beinen“, und – wie einige der SchülerInnen feststellten – „aus der Partnerschaft wurde Freundschaft, aus der Freundschaft wurde eine richtige GCS-FEG-Familie“.
Die jährlichen Partnerschafts-Begegnungen sind dabei keineswegs zur Routine geworden, sondern sind immer wieder von Neuem aufregend, spannend und mit intensiven neuen Erfahrungen verbunden. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich für die Äthiopienreise anzumelden“, schreibt eine Teilnehmerin in ihrem Erfahrungsbericht. „Wir konnten in Addis Abeba und Umgebung mit unseren gleichaltrigen Partnerinnen und Partnern so viel erleben und von deren Leben erfahren, wie es sonst wohl auf keiner anderen Reise mehr möglich sein wird.“
Die beiden Partnerlehrer Ato Yohannes und Ato Merdassa bereiteten seitens der GCS das Begegnungsprogramm bestens vor und sorgten für viele Highlights: Das gemeinsame äthiopische Begrüßungsessen, der deutsche und äthiopische Abend, wo sich die beiden Gruppen gegenseitig ihre Kulturen vorstellten, die gemeinsamen Ausflüge zu den Hyänen auf dem Hausberg Entoto und nach Bischoftu an die Kraterseen, der Schoolday an der GCS mit vielen Spiel-, Sport- und Bastel-Aktivitäten. Bei den Begegnungen kam natürlich das gemeinsame Kochen, Essen, Feiern und Spielen nicht zu kurz. Die VertreterInnen unserer SMV konnten sich vom Baufortschritt des neuen Backhauses und der Schulküche, für die in Sandhausen zwei Jahre lang Spenden gesammelt wurden, vor Ort überzeugen und die Kochmöglichkeiten in der Außenküche aus eigener Erfahrung testen: Wie lassen sich die leckeren äthiopischen Gemüsegerichte, Soßen und Suppen in riesigen Töpfen für mehrere Dutzend Schülerinnen und Schüler gleichzeitig zubereiten?
Weitere Partnerorganisationen bereicherten das Programm: Bei „Brot für die Welt“ konnten mehrere nachhaltige Projekte besucht werden, bei denen die Förderung von Mädchen und Frauen in der Schule, in der Gesundheitsberatung und kleinbäuerlicher Entwicklung im Mittelpunkt stand; bei der CBM konnten wir ein Klinikprojekt für blinde und sehbehinderte Menschen kennenlernen und die staatliche GIZ stellte im „Deutschen Haus“ ihr Förderkonzept für Äthiopien und ein Saatgutprojekt vor. Ebenso war es möglich einen Blick hinter die für Äthiopier leider verschlossenen Tore und Mauern des riesigen Parks der Deutschen Botschaft zu werfen und vor Ort spannende Vorträge über deren Tätigkeit zu hören.
Ein weiteres Highlight war der Besuch bei der African Union, zunächst mit Hindernissen verbunden, aber beim zweiten Anlauf ein voller Erfolg. Der Botschafter von Burundi an der AU stand den äthiopischen und deutschen SchülerInnen eine Stunde lang Rede und Antwort und beeindruckte alle durch seine Ausführungen über die AU und die afrikanische Politik. Er konnte am Ende unsere beiden Schülergruppen zu den besten Friedensbotschaftern erklären: „Ihr lebt durch eure Begegnung in der Praxis vor, was unsere Staaten in Europa und Afrika noch lernen müssen: Verständigung und Friedenssicherung durch Partnerschaft!“
Am meisten beeindruckt zeigten sich viele der deutschen Schülerinnen und Schüler vom Homevisit in den Familien ihrer gleichaltrigen äthiopischen PartnerInnen. Gab es zunächst Ängste, was auf sie zukommen wird, waren diese durch die Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft in den Familien ziemlich schnell verflogen. „Es war eine große Überwindung für mich, alleine das Heim meines Partners zu besuchen. Doch heute kann ich sagen, dass dieser Besuch zu einer unvergesslichen und wertvollen Erfahrung wurde, die ich nicht missen möchte“, reflektiert eine Teilnehmerin. „Die Gastfreundschaft der Menschen war überwältigend. Die Vielfalt der äthiopischen Kultur hat mich sehr fasziniert. Mir wurde gezeigt, worauf es letztendlich im Leben wirklich ankommt.“
Mehrere deutsche TeilnehmerInnen betonen in ihren Berichten: „ Ich habe eine neue Sichtweise auf mein Leben gewonnen. Die Freude und die positive Ausstrahlung der Kinder haben mich verzaubert. Sie haben mir gezeigt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Ich werde in Zukunft viel dankbarer sein für das, was ich habe.“
Wir vom FEG sind dankbar für 18 Jahre Partnerschaft und für die „GCS-FEG-Familie“.
Eine Bildergalerie mit intensiven Eindrücken der Äthiopienfahrt 2024 finden Sie hier in unserem Archiv.