Athen, Bologna, Istanbul und Wien waren die Ziele der diesjährigen Studienfahrten. Christian Palmetshofer (JS2) berichtet über seine Erlebnisse auf der Studienfahrt nach Istanbul, welche von Herrn Feuerstein und Frau Reinbold organisiert und begleitet wurde.
Eine Reise zum Mittelpunkt der Welt
Istanbul kann auf eine ruhmreiche Geschichte zurückblicken. Im Laufe der Jahrtausende entwickelte sich erstmals Konstantinopel als Sitz des oströmischen Kaisers zur wichtigsten Stadt der Region. Die Bedeutung der einzigartigen Lage zwischen Asien und Europa offenbarte sich dann insbesondere nach der Eroberung der Stadt 1453 durch die Osmanen. Istanbul diente zunehmend als Tor zwischen Ost und West und wurde zum Brennpunkt zahlreicher Kulturen und Religionen. Die Spuren der Vergangenheit sind noch heute sichtbar.
Die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit der Stadt und eines der größten Bauwerke der Menschheit ist die Hagia Sophia. Wir bestaunten die gewaltige Kuppel, die endlosen Marmorsäulen und die kunstvollen Mosaike kurz nach unserer Ankunft. Das einstige Zentrum der orthodoxen Kirche fasziniert mit seiner reichen Geschichte und bedeutungsschwangeren Aura.
Ebenso beeindruckend war die Besichtigung des prunkreichen Topkapi-Palastes, des alten Sitzes der Sultane, mitsamt Harem (leider nicht mehr in Betrieb). Auf dem Palastgelände befindet sich interessanterweise die älteste Kirche Konstantinopels, die Hagia Irene, welche leider auch außer Betrieb ist. Etwas entlegener liegt die prachtvolle Chora-Kirche, welche über und über mit den wertvollsten Mosaiken und Bildern der Christenheit geschmückt ist. Von der nahe gelegenen Theodosianischen Mauer genossen wir eine herrliche Aussicht über den nördlichen Teil der Stadt.
Die gewaltigen Ausmaße Istanbuls erkannten wir jedoch erst bei der mehrstündigen Bootsfahrt durch den Bosporus. So zahlreich wie sich im Wasser des Bosporus die Fische und Delfine tümmeln, so ungeheuer erstreckt sich auf beiden Ufern die größte Stadt Europas (und Kleinasiens), soweit das Auge reicht. Stolz wehen türkische Fahnen auf den Hügeln, wo prächtige Moscheen und Paläste von der Größe vergangener Jahrhunderte künden.
Das Stadtbild ist mehr als irgendwo sonst von einer Vielzahl an Moscheen geprägt. Insgesamt beläuft sich ihre Zahl auf mehr als 3000. Freilich haben wir nicht alle besichtigt, doch reichte der Besuch der größten und geschichtsträchtigsten Moscheen aus, um uns einen bleibenden Eindruck der muslimischen Kultur und Architektur zu vermitteln. Dazu gehörten die Blaue Moschee, welche sich auf dem Hauptplatz, direkt gegenüber der Hagia Sophia befindet und die Süleymaniye-Moschee, ein beeindruckender Beweis der Kunstfertigkeit des Osmanischen Reiches auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Eine gänzlich andere Welt offenbarte sich uns in den verwinkelten Straßen der Bazare. Inmitten der Menschenmassen und der endlosen Auslage der Läden erhascht das Auge allerlei Begehrenswertes. Besonderes Interesse weckte, vor allem bei dem männlichen Teil der Gruppe, die preiswerte Markenkleidung (100% Echtheitsgarantie). Das landesübliche Feilschen um den Preis bereitete uns allen große Freude, jedoch mit mehr oder minder erfolgreichem Ausgang.
Ein Ausflug auf den asiatischen Stadtteil, voller Hochhäuser und moderner Geschäfte, führte uns nochmals die ungeheure Vielfalt Istanbuls vor Augen.
Wir lernten eine Welt kennen, die von der Vergangenheit durchdrungen ist und doch nach vorne, in ein neues Zeitalter strebt. Eine Welt zwischen Orient und Okzident, Tradition und Moderne. Eine Stadt der Gegensätze, die gerade deshalb den Mittelpunkt der Welt bildet.