Im Rahmen des Heidelberger Laureate Forums sprach der renommierte Mathematiker John E. Hopcroft mit Schülern am Gymnasium
Bericht von Sabine Hebbelmann (RNZ)
Sandhausen. Was ist eine gute Strategie für eine erfolgreiche Karriere? Diese Frage begegnet Mathegenie John E. Hopcroft immer wieder. Seinen Vortrag am Friedrich-Ebert-Gymnasium Sandhausen (FEG) verfolgten mehr als sechzig Schüler der Oberstufe mit den Schwerpunkten Informatik, Mathematik und Physik.
Sein Rat: Wenn euch eine Möglichkeit begegnet, prüft, ob euch die Aufgabe wirklich interessiert. Und wenn ihr es noch nicht wisst: Findet heraus, woran ihr Spaß habt! Auch wenn es was ganz anderes ist, wie zum Beispiel Musik.
Der heute 85-Jährige US-Amerikaner zählt zu den Pionieren der Informatik und wurde 1986 für das Design und die Analyse von Algorithmen und Datenstrukturen ausgezeichnet.
Auch er habe im Studium sein Lehrbuch gelesen, bekannte Schulleiter Alexander Wüst.
Patrick Kaminski, Abteilungsleiter Naturwissenschaften und Mathematik, hatte auf Anregung der Mutter eines Schülers mit dem Laureate Forum Heidelberg Verbindung aufgenommen. Es war das zweite Mal in Folge, dass ein Preisträger des Turing Award an der Schule zu Gast war. Die Veranstaltung war komplett auf englisch gehalten.
Hopcroft ist breit aufgestellt und konnte verschiedene Themen zur Auswahl anbieten. Sein Sohn Michael Hopcroft arbeitet für Microsoft und stand ihm für Detailfragen zur Seite. Bei den Wortmeldungen interessierte aber nur ein Thema: Künstliche Intelligenz (KI).
KI wird die Welt verändern, bestätigte der Wissenschaftler die Bedeutung der Technologie und verglich sie mit der Umwälzung durch die Industrialisierung. Vor hundert Jahre arbeiteten rund 90 Prozent der US-Amerikaner in der Landwirtschaft, heute seien es nur noch drei Prozent.
Das Land war nicht darauf vorbereitet und erst mal gab es viele Arbeitslose. Dafür entstanden neue Jobs in den Fabriken. Hopcroft rechnet damit, dass auch heute neue Jobs entstehen, für die es aber auch neue Fähigkeiten brauche. Nicht Gold, Öl oder Agrarprodukte, sondern Talente seien es, die für die Produktivität der Staaten in Zukunft wichtig würden, betonte er.
Muster erkennen und auf dieser Basis komplexe Aufgaben lösen, das können Computer viel besser als Menschen, machte er deutlich. „Ich nenne es Geschwindigkeit, nicht Intelligenz“, so Hopcroft.
Eine neue Definition von Intelligenz beziehe sich auf Fähigkeiten, die nur Menschen eigen ist. Entsprechend sei es umso wichtiger für Schulen und Universitäten, Softskills wie soziale und methodische Kompetenzen zu vermitteln. Er warnte davor, die Prüfmatrix für das Ranking der Universitäten auf reiche Menschen auszurichten. Für die meisten sei es nicht relevant, ob die Aktienkurse steigen.
Die Qualität der Bildung weltweit liegt ihm am Herzen. Dafür war er die letzten Jahre in 15 Ländern unterwegs, von Brasilien über Indien bis Mexiko. Zuletzt habe er sechs Monate in China verbracht, wo er erfolgreich mit zweihundert Top-Universitäten kooperiert habe.
„Warum China?“, wollte ein Schüler wissen.
Er habe den Eindruck gewonnen, dass er in China am meisten bewirken konnte, antwortete Hopcroft. China unternehme bei der Bildung große Anstrengungen und die chinesischen Schüler beherrschten die Technologien sehr gut. Es fehle ihnen aber die Fähigkeit, in neue Richtungen zu denken.
Hopcroft führte das darauf zurück, dass der Tag der Schüler komplett verplant sei und sie kaum Freizeit hätten, um sich klar zu werden, was sie interessiert. Er warb vor allem dafür, mehr Freiraum für sie zu schaffen.
Bei den Fragen stand ein kritischer Blick auf KI im Vordergrund: So wurde gefragt nach den Folgen für die Soft Skills, die Zukunft des Lehrerberufs und die Gefahren der geopolitischen Instrumentalisierung. Kritisch wurde auch gesehen, dass das Internet mit KI-generierten Videos geflutet wird und es zunehmend schwer wird zu unterscheiden, was „echt“ ist und was nicht.
Der Wissenschaftler zeigte sich optimistisch, dass die Nutzer die nötige Medienkompetenz erwerben und die Politik regulatorische Wege findet, die Risiken zu minimieren.
Jedes Jahr im September tauschen sich in Heidelberg rund zweihundert talentierte Nachwuchswissenschaftler mit Preisträgern der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen, den „Laureaten“ aus. Auf dem Programm des „Heidelberg Laureate Forum“ stehen regelmäßig auch Schulbesuche.